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Haspa-Geld für neue Küche
7500-Mark-Scheck als Zuschuss für die Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg
 
Am Vogelhüttendeich gibt es warme Mahlzeiten, Kaffee und Sozialberatungen für Arbeitslose.
 
Von Claudia Herberger 
 
Wilhelmsburg. "Die Küche ist so schön geworden, da koche ich noch lieber als zu Hause." Petra Brandt, die ehrenamtliche Köchin der Wilhelmsburger Tafel, sieht sich in ihrem neuen Wirkungsbereich am Vogelhüttendeich 55 um. Seit einem Jahr bereitet sie jeden Donnerstag um 12 Uhr für viele Menschen eine Mahlzeit zu, die sich selbst keine leisten können. Dienstags kommt die Ware aus verschiedenen Märkten, die entweder das Verfallsdatum überschritten hat oder aus anderen Gründen nicht mehr verkauft wird, aber genießbar ist.
 
Fantasie ist jetzt gefragt. "Wir wissen nie, was kommt, deshalb kochen wir fast immer Eintopf-Kreationen", sagt Petra Brandt.
 
Die Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg hat gerade ihre neuen Räume am Vogelhüttendeich bezogen. Ein hübsches kleines Haus, das sich die Initiative mit dem Inselverein und der türkischen Elterngemeinschaft teilt, um die Kosten so gering wie möglich zu halten. Die Arbeitslosen bekommen hier nicht nur warme Mahlzeiten, sondern haben einen Treffpunkt, an dem sie wieder Mut fassen oder eine Sozialberatung bekommen.
 
Christel Ewert, Leiterin und Sozialberaterin der Arbeitsloseninitiative, sucht noch ehrenamtliche Helfer für das neue Haus: "Wir planen ein Frauencafe und einen Deichmarkt, wo wir billige Kleidung und fair gehandelte Lebensmittel verkaufen möchten." Die Initiative muss die laufenden Kosten selbst erwirtschaften und ist auf Spenden angewiesen. Da kam der Scheck der Hamburger Sparkasse gerade recht. 7 500 Mark überreichte Filialleiter Thomas Beeken gestern morgen für die neue Küche. "Auf den letzten Drücker" hatte sich der Vorsitzende des Vereins und Ex-Pastor Hildebrandt Henatsch um den Zweckertag der Haspa beworben.
 
Harburger Anzeigen und Nachrichten 17.11.2001
 
Das Deichhaus macht Träume wahr
Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg im neuen Domizil
 
Die historische Immobilie am Vogelhüttendeich wurde mit großem Aufwand umgebaut und saniert.
 
Von Andreas Dey 
 
Wilhelmsburg. Ein historisches Haus vor dem Abriss bewahrt und saniert, viele soziale Einrichtungen unter einem Dach konzentriert und einen Treffpunkt im Viertel geschaffen: Mit der Eröffnung des Deichhauses ist Wilhelmsburg gleich um mehrere Aspekte reicher. Das 1887 von einem Bauern namens Meyer am Vogelhüttendeich errichtete Gebäude wird künftig von der Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg (AIW) betrieben, die bislang in der Reiherstieg-Kirchengemeinde am Rotenhäuser Damm ihr Zuhause hatte.
 
Die Initiative hat das Haus für 30 Jahre von der Stadt gepachtet, nachdem es aus Mitteln der Stadtentwicklungsbehörde für 665 000 Mark in seinen historischen Originalzustand versetzt und saniert worden war. "Unser Anliegen ist es, ein gutes Beispiel für interkulturelles Zusammenleben zu geben", sagte der AIW-Vorsitzende Hildebrand Henatsch anlässlich der Einweihung. Daher ist im Deichhaus nicht nur die AIW anässig, sondern auch die "Wilhelmsburger Tafel", die Lebensmittel und warme Mahlzeiten an Bedürftige ausgibt, eine Sozialberatung, eine Fahrradwerkstatt und ein Cafe - vorerst vor allem für Frauen. Geplant sei zudem, das rund 120 Quadratmeter große Haus für Veranstaltungen zu vermieten und auch selbst ein Kulturangebot zu schaffen (zum Beispiel für Kleinkunst), Flohmärkte zu veranstalten und einen "Deichwagen" zu betreiben, der "faire Produkte" der Dritten Welt liefert. So sollen auch die Mittel für die laufenden Kosten hereinkommen, die die AIW selbst trägt. Die Einmal-Pacht an die Stadt in Höhe von 75 000 Mark ist hingegen über Spenden, vor allem der Max-Schmeling-Stiftung und des Hamburger Spendenparlaments, hereingekommen.
 
"Für mich ist es sehr spannend, zu sehen, was man aus dem Haus machen kann", so Henatsch. Jede Menge Vorschusslorbeeren hat die AIW von den vielen Eröffnungsgästen, die aus Platzmangel den Reden sogar vom Bürgersteig aus folgten, schon erhalten. "Dieses Haus ist ein Vorbild für unsere Gemeinde und zeigt, dass man im Stadtteil etwas bewegen kann", lobte zum Beispiel Pastorin Carolyn Decke von der Reiherstieg-Gemeinde.
 
Jürgen Bollmann, Probst des Kirchenkreises Harburg, der wiederum hinter der Arbeitsloseninitiative steht, fand noch emotionalere Worte: Er mache hin und wieder Spaziergänge durch Wilhelmsburg und beginne die stets am Stübenplatz vor dem Deichhaus. "Und dann träume ich jedes Mal davon", so Bollmann, "dass der Stübenplatz ein Platz der Begegnung wird. Und das Deichhaus wird dazu beitragen." Dem hatte niemand etwas hinzuzufügen.
 
Die Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg e.V. ist als gemeinnützig anerkannt und unterhält ein Spendenkonto mit der Nummer 12 63 12 54 84 bei der Hamburger Sparkasse, Bankleitzahl 200 505 50.
 
Harburger Anzeigen und Nachrichten 13.11.2001
 
Das Deichhaus soll gerettet werden
Arbeitsloseninitiative schmiedet Pläne
 
Direkt am Stübenplatz könnte ein Zentrum mit einer Reihe von sozialen Angeboten entstehen.
 
Von Jutta Werner
 
Wilhelmsburg. Große Hoffnung auf ein kleines Haus macht sich die Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg: Die engagierte Gruppe möchte mit ihrer Sozialberatung und der "Wilhelmsburger Tafel" in das alte Deichhaus im Vogelhüttendeich 55 einziehen. Die Chancen stehen günstig, wenn 70 000 Mark für Erbpacht und den Restwert des Gebäudes an die Stadt gezahlt werden.
 
In dem 1887 erbauten Haus war lange Jahre lang ein Milchladen beheimatet gewesen, zuletzt machte dort ein türkischer Händler Geschäfte. Nun möchte die von mehreren Kirchengemeinden in den 80er-Jahren gebildete erste Hamburger Arbeitsloseninitiative die verfallene städtische Immobilie in Erbpacht für 15 oder 30 Jahre übernehmen. 70 000 Mark wären nach Informationen von Angela Hellenbach vom Bürger-Büro MIT im Rathaus Wilhelmsburg dafür zu entrichten. Die zwar ideenreiche, aber geldarme Initiative hat nun Kontakt mit dem Spendenparlament und anderen Sponsoren aufgenommen.
 
Befürworter dieses Plans gibt es genug: Der Ortsausschuss, die Stadtentwicklungsbehörde und das Liegenschaftsamt Harburg sind am Erhalt des so genannten Deichhauses interessiert und begrüßen die anvisierte Nutzung für soziale Zwecke.
 
Die Stadtentwicklungsbehörde würde auch die geschätzten Instandsetzungkosten von 600 000 bis 800 000 Mark übernehmen.
 
Hat der Plan Erfolg, könnten im Deichhaus schon im Sommer 2001 Lebensmittel an Bedürftige ausgegeben und ein Mittagstisch in einer Cafeteria angeboten werden.
 
Im Gespräch ist ferner ein Laden mit Artikeln aus der Dritten Welt sowie preiswerten Textilien - und eine Vermietung von Räumen in dem rund 120 Quadratmeter großen eingeschossigen Haus. Woher das Haus im Vogelhüttendeich 55 seinen Namen hat, ist nicht überliefert.
 
Harburger Anzeigen und Nachrichten 3.2.2000
 
Ideen oder Abriss
 
gip Wilhelmsburg - Sollten Wilhelmsburger keine Ideen mehr für eine "soziokulturelle Nutzung" aufbringen und folglich bis Jahresende auch kein Konzept mehr zustande bringen, dann ist das Schicksal des alten Deichhauses am Vogelhüttendeich 55 besiegelt. Das-Urteil der Stadtentwicklungsbehörde (Steb) lautet kurz und bündig: Abriss.

Harburgs Beschäftigungsträger GATE GmbH und die beauftragte alternative Stattbau-Architektengruppe waren wegen nicht umsetzbarer Pläne kürzlich aus dem Deichhaus-Projekt ausgeschieden. Jetzt müssen der Beirat für Stadtteilentwicklung und das für die Beirats-Koordinierung eingesetzte MIT-Büro noch einen letzten Versuch starten, um das historische Gebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende vor der Abrissbirne zu bewahren.
 
Jens Usadel (MIT-Büro): "Wir haben zur Zeit zwei Vorschläge für eine künftige Nutzung. Erstens könnte ein Trainingssalon für Friseur-Lehrlinge eingerichtet werden. Daneben wäre ein Stadtteiltreff mit Café möglich. Zweitens könnte das Deichhaus zum Haus der Kommunalpolitik ausgebaut werden. In den drei Räumen der ersten Etage könnten Parteien ihre Büros einrichten; im Erdgeschoß wäre ein Begegnungsraum mit Café für die Bewohner des Stadtteils denkbar."
 
Eine richtig zündende Idee für eine "soziokulturelle Nutzung" scheint noch nicht dabei zu sein. Das MIT-Büro nimmt unter Telefon 428 73-259 Vorschläge entgegen. Nur bis Jahresende gibt es Geld von der Steb für die Instandsetzung des alten Hauses.
 
Harburger Rundschau 16.9.1999

Trödel-Basar für einen guten Zweck
Der Erlös kommt der Wilhelmsburger Tafel zugute
 
Zum gemeinsamen Mittagsessen der Arbeitsloseninitiative kommen regelmäßig 50 bis 60 Personen.
 
Von Cornelia Käsel
 
Wilhelmsburg. Altes Porzellan, Silberbesteck, Basteleien, Handschuhe und Schmuck - auf dem Wilhelmsburger Tafelbasar im Gemeindehaus der St. Raphael Kirche wechselte am Sonnabend antiker Kitsch und Trödel den Besitzer. "Zur Eröffnung haben die Leute Schlange gestanden, die Resonanz war toll", freut sich Organisatorin Ursula Falke, Mitglied im St. Raphael Kirchenvorstand. Der Erlös in Höhe von 2425,50 Mark kommt der Wilhelmsburger Tafel zugute, deren Träger die Arbeitsloseninitiative in der Emmausgemeinde ist. Zahlreiche Bürger hatten sich an der ersten Veranstaltung dieser Art beteiligt und Keller sowie Boden nach ausgemusterten Gegenständen abgesucht. Was dabei zusammenkam, war beachtlich. Entsprechend fiel auch die Nachfrage aus. Zahlreiche Besucher ergatterten Dinge, die sie schon immer haben wollten. Zwischendurch konnten sie sich bei klassischer Musik mit Kaffee und Kuchen stärken.
 
Ursula Falke ist sehr zufrieden mit dem Verlauf des Basars. Sie will ihn wiederholen, zumal noch einiger Trödel liegengeblieben ist. Für weitere Gaben ist sie sehr dankbar. "Diese Veranstaltung bringt ja auch Geld, das die Wilhelmsburger Tafel dringend braucht", sagt sie. So kämen zum Mittagessen, das donnerstags um 12 Uhr beginnt, 50 bis 60 Personen. "Die wollen gern mal Fleisch essen, aber das ist teuer", betont die engagierte Wilhelmsburgerin. Auch Bürobedarf, Computerteile und Briefmarken müssten gekauft werden.
 
Die Wilhelmsburger Tafel serviert jeden Dienstag ab 12 Uhr im Gemeindehaus der Emmaus-Kirche Kaffee und Kuchen, von 13 bis 14 Uhr wird Essen ausgegeben. Es stammt aus Geschäften, die es spenden, weil es das Verfallsdatum überschritten hat oder aber aus der Gastronomie. Nach dem gemeinsamen Mittagessen am Donnerstag beginnt eine weitere Essenausgabe um 13 Uhr.
 
Auch die Raphael-Gemeinde hat eine Ausgabestelle. Sie ist dienstags von 12.30 Uhr an geöffnet. Das Kaffee Klönschnack hat mittwochs von 13.30 bis 15.30 Uhr in den Räumen der Emmaus-Kirche geöffnet.
 
Harburger Anzeigen und Nachrichten 24.8.1999
 
Interview mit Initiatoren und Helfern der "Wilhelmsburger Tafel"
 
WIR: Die "Wilhelmsburger Tafel" ist eine Kooperation zwischen der Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg in der Einmaus-Gemeinde e. V. und Susila Dharma - Soziale Dienste e.V.. Wie ist es zu dieser Gemeinschaft gekommen?
 
Raphaela Diestelmeier: Ende 1996 hatte ein Vorstandsmitglied von Susila Dharma beim täglichen Einkauf in einem Supermarkt das Schlüsselerlebnis. Mengen von Bananen, Obst und Gemüse, die in einem etwas unansehnlichem, jedoch durchaus noch verzehrbarem Zustand waren, wurden auf einem großen. Wagen gesammelt. Eine Nachfrage ergab, daß sie auf den Müll wandern sollten.
 
Der Supermarktleiter antwortete auf die Frage, ob er diese Lebensmittel kostenlos abgeben würde: "Gern, wenn Sie. mir sagen, wohin."
 
Wir von Susila Dharma kannten Herrn Boxberger und seine Arbeit in der Arbeitsloseninitiative in der Emmausgemeinde in Wilhelmsburg. Da lag es nahe, ihn anzurufen.

Gleichzeitig wurde, angeregt durch die "Hamburger Tafel" in der Arbeitslosennitiative darüber nachgedacht, eine "Wilhelmsburger Tafel" einzurichten. Es bestand sofort Einverständnis darin. diese Arbeit kooperativ zu beginnen und eine Ausgabe für eingesammelte Lebensmittel an Bedürftige im Stadtteil einzurichten. Ende Januar 1997 wurden die ersten Lebensmittel ausgeteilt.
 
WIR: Unter der Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg können sich viele etwas vorstellen, wer ist aber Susila Dharma?
 
Valentin Willecke: Susila Dharma - Soziale Dienste e. V. ist ein gemeinnütziger Verein in Wilhelmsburg und hat 50 Mitglieder in ganz Deutschland.
 
Wir setzen uns seit 15 Jahren für soziale Fragen ein, vor allem für ein besseres Verständnis und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Menschen hier bei uns und in den Entwicklungsländern. Susila Dharma fördert Entwicklungsprojekte in Indonesien, Sri Lanka, Indien, Kolumbien, Ecuator, in der Ukraine und in Portugal, aber auch soziale und pädagogische Projekte in Deutschland. In Veranstaltungen, durch Veröffentlichungen, Unterrichtsmaterial und Schulpartnerschaften setzen wir uns für ein neues globales Bewußtsein der gemeinsamen Verantwortung ein. Unsere Projekte sollen in erster Linie den Ärmsten und benachteiligten Bevölkerungsgruppen eine Chance zur eigenen Entwicklung geben.
 
WIR: Woher bekommen Sie das Geld für solche Arbeit?
 
Valentin Willecke: Finanziert werden diese Projekte.. hinter denen übrigens großes persönliches Engagement steht, durch Spenden. aber auch durch Mittel. die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Bonn bereitstellt.

Susila Dharma unterhält ein Büro in Wilhelmsburg, das durch die Mitglieder des Vereins finanziert wird. Da ein großer Teil der Verwaltungsarbeit und Projektbetreuung ehrenamtlich gemacht wird, können alle Projektspenden ohne Verwaltungskostenabzug weitergeleitet werden.
 
Susila Dharma gehört dem Paritätischen Wohlfahrtsverband an und ist eine der über 50 Organisationen des Eine Welt Netzwerkes Hamburg e. V.. Über unsere internationale Organisation sind wir als beratendes Mitglied im Wirtschafts- und Sozialrat der UNO vertreten.
 
WIR: Die Kooperation zwischen Susila Dharma und der Arbeitsloseninitiative besteht nun schon über ein Jahr. In der Zwischenzeit hat Mercedes auch einen "Tafelbus" gesponsort, der schon im Stadtteil fährt, um schneller und problemloser Lebensmittel heranzuschaffen. Ist das Warenangebot groß?
 
Dieter Boxberger: Die Hamburger Tafel hat mal ausgerechnet, daß ca. 20 % der hergestellten Lebensmittel bisher vernichtet worden sind. Da bleiben viele Lebensmittel für die Tafeln übrig, um sie an bedürftige Menschen weiterzugeben.
 
WIR: Gibt es auch Wilhelmsburger Geschäfte. die Euch unterstützen?
 
Dieter Boxberger: Ja. zur Zeit zwar nur 4 Geschäfte. nämlich Minimal, Gutkauf, Hamburger Käselager und ein türkischer Lebensmittelladen. Das liegt aber daran. daß wir nicht mehr Geschäfte ansprechen konnten, weil wir bisher nicht die Möglichkeiten hatten, die Lebensmittel auch abzuholen. Durch unser neues Auto können wir jetzt mehr Geschäfte ansprechen, und ich bin optimistisch, daß dann auch mehr Wilhelmsburger Läden die "Wilhelmsburger Tafel" unterstützen werden.
 
WIR: Wie werden die Lebensmittel verteilt? Geht das gerecht zu?
 
Dieter Boxberger: Wir geben 2x pro Woche, Dienstag und Donnerstag, die Lebensmittel an die Menschen weiter. Das läuft so ab, daß wir in einem Raum im Gemeindehaus der Einmaus-Gemeinde die Lebensmittel aufbauen und die Menschen sich dann die benötigten Lebensmittel aussuchen können. Wir achten dabei aber schon darauf, daß die Lebensmittel gerecht verteilt werden, d.h., daß kinderreiche Familien mehr bekommen als Einzelpersonen und daß auch für die letzten noch Lebensmittel vorrätig sind.
 
WIR: Was macht Ihr mit dem Überschuß?
 
Dieter Boxberger: Wir haben keine Überschüsse. Alle Lebensmittel. die wir bekommen. geben wir auch weiter. Wir bekommen aber soviel, daß wir anderen Einrichtungen. wie der St. Raphael-Kirchengemeinde und einem betreuten Spielplatzheim. etwas abgeben können.
 
WIR: Sind die Menschen. die zu Euch kommen. alle aus Wilhelmsburg?
 
Dieter Boxberger: Ja.
 
WIR: Reicht es aus. den Menschen. die bedürftig sind. Lebensmittel zu.geben? Das ist doch eigentlich ziemlich perspektivlos!
 
Frieda Baumer: Das stimmt. der Mensch lebt ja nicht von Brot allein. Des halb bietet am Donnerstag die Wilhelmsburger Tafel" neben der Lebensmittelausgabe ein gemeinsames Mittagessen an.
 
Viele helfen uns bei der Vorbereitung. die Männer und Frauen schleppen uns die Zutaten in die Küche. Dann putzen alle Gemüse. schälen Kartoffeln. bereiten Salat und Nachtisch vor. Es wird dabei viel geklönt und gelacht. Die meisten freuen sich, wenn sie sich mal so richtig etwas von der Seele reden können und ihnen auch jemand zuhört und Anteil nimmt. Nach dem gemeinsamen Essen bleiben viele noch zu einer kleinen Andacht. die Pastor Henatsch hält. Einige helfen uns in der Zeit beim Abwasch. wobei es natürlich wieder was zu lachen und zu erzählen gibt. Alle sagen uns zum Schluß Tschüs und wir freuen uns schon auf den nächsten Donnerstag.
 
Dieses gemeinsame Kochen bietet also die Möglichkeit. miteinander zu reden. sich kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen.
 
WIR: Wie ist die "Wilhelmsburger Tafel" organisiert? Gibt es genug Helfer?
 
Dieter Boxberger: Zum einen gibt es einen festen Stamm von ca. 20 ehrenamtlichen Mitarbeitern/Innen. die bei der "Wilhelmsburger Tafel" mithelfen. Außerdem helfen viele von den Menschen. die zur "Wilhelmsburger Tafel" kommen. mit. wenn es darum geht. die Lebensmittel aus dem Lagerraum oder aus dem Auto zu holen.

Langfristiges Ziel unserer Arbeit ist eben auch aktive Mithilfe.
 
WIR: Welche Form der Zusammenarbeit, außer mit Susila Dhanna. gibt es mit weiteren Einrichtungen des Stadtteils?
 
Dieter Boxberger: Wir arbeiten mit verschiedenen Organisationen aus dem Stadtteil zusammen. denen wir Lebensmittel liefern bzw. von denen wir welche bekommen, z.B. Schulen, Kindertagesstätten, Kirchengemeinden, Wilhelmsburger Geschäften und Firmen. Auch werden wir mit dem neuen Stadtteil-Bistro zusammenarbeiten.
 
WIR: Dieter. wenn du einen Wunsch frei hättest. was würdest Du Dir für Deine Arbeit wünschen'!
 
Dieter Boxberger: Daß wir in einer Gemeinschaft leben, in der Einrichtungen wie die "Wilhelmsburger Tafel" überflüssig sind.
 
WIR: Diesem Wunsch können sich sicher viele anschließen. Danke für das Interview und Dank an alle. die Kraft und Ideen für die Wilhelmsburger Tafel aufbringen.
 
Das Interview führte Ursula Falke
 
Aus dem Wilhelmsburger Inselrundblick 1998
 
Wilhelmsburger Tafel eröffnet!

Nach dem Vorbild der Hamburger Tafel und ähnlichen Einrichtungen anderer Städte, die mit nicht mehr benötigten Lebensmitteln einer wachsenden armen Bevölkerung zu helfen versuchen, wurde am 21. Januar die Wilhelmsburger Tafel eröffnet. Sie hat im Cafe Habakuk im Gemeindehaus der Emmauskirche in Hamburg-Wilhelmsburg ihr Zuhause gefunden.
 
Tatkräftige Gründer sind Dieter Boxberger von der Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg und Raphaela Diestelmeier von Susila Dharma - Soziale Dienste e.V. Sie haben es geschafft, daß nicht mehr benötigte Lebensmittel (die leicht verbeulte Konserve, das nicht abgesetzte Gemüse, Obst und Brot) einer Bäckerei und mehrerer Supermärkte abgeholt und an zwei Tagen der Woche (Dienstag von 14.00 - 15.00 Uhr sowie am Donnerstag von 11.00 - 12.00 Uhr) von ehrenamtlichen Mitarbeitern an Bedürftige verteilt werden. Alleinstehende finden bei dieser Gelegenheit Ansprechpartner und können Probleme miteinander teilen. Die regelmäßigen Transporte werden von Reinhard Diestelmeier übernommen, dem dafür ein Lieferwagen des Edeka-Marktes in Holm-Seppensen zur Verfügung steht. Kontakte zu weiteren Geschäften sind bereits geknüpft. Als nächster Schritt sind die Ausgabe eines heißen Getränkes und einer warmen Suppe geplant. SD wird diese Initiative im Rahmen seiner Möglichkeiten auch finanziell fördern.

Aus Susila Dharma 1997

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