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Wilhelmsburg: Grünkohl und Geschenke
WEIHNACHTSFEIER "Wilhelmsburger Tafel" versorgte ihre Gäste mit Deftigem aus der Krankenhausküche.
 
Jochen Gipp
Wilhelmsburg

Auf dem Tisch leuchteten Kerzen. Eine liebevolle Dekoration aus Tannenzweigen stimmte auf Weihnachten ein. Die diesjährige Weihnachtsfeier der "Wilhelmsburger Tafel" im Gemeindehaus der Reiherstieggemeinde im Rotenhäuser Damm 11 zählte mit 180 Gästen so viele Besucher wie nie zuvor. Seit sechs Jahren sorgt die Wilhelmsburger Tafel; eine Organisation der Wilhelmsburger Arbeitsloseninitiative (AIW) mit den Kirchengemeinden Reiherstieg, St. Raphael, Kreuzkirche und dem Soziale-Dienste-Verein Susila-Dharma nicht nur für regelmäßige Lebensmittelausgabe an Bedürftige sondern auch für die Weihnachtsfeiern. Auch für die diesjährige Feier fand die Tafel wieder zahlreiche Unterstützer. Die Küche des Wilhelmsburger Krankenhauses Groß Sand kochte für alle eine schmackhafte Grünkohl-Mahlzeit. Die Wilhelmsburger Bäckerei Cordes schickte Bleche voll Butterkuchen für den Nachmittags-Kaffee vorbei. Der Carlsen Verlag, die Hamburgischen Electricitätswerke und auch das Hamburger Abendblatt waren spendabel. Kinderbücher, Buntstifte, Puzzlespiele kamen auf den Tisch. Vom Hamburger Abendblatt gab es für jeden ein Paket voll Lebensmittel und einer Überraschung für Kinder. Die Freude darüber war bei allen riesig. Vor der Bescherung sorgten eine Andacht und die Weihnachtsgeschichte in all dem Trubel für etwas Besinnlichkeit.

Die "Wilhelmsburger Tafel" hat ihren Sitz seit einem Jahr im alten Deichhaus im Vogelhüttendeich 55. Supermärkte stellen der Einrichtung Lebensmittel zur Verfügung. Jeden Donnerstag wird an Bedürftige eine warme Mahlzeit ausgegeben, anschließend ist Lebensmittelausgabe. Außerdem wird Sozialberatung angeboten.

Harburger Rundschau 12.12.2002 
 
Einjährige Testphase im Deichhaus bestanden
Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg kann ihr Gebäude finanzieren 
 
Wilhelmsburg (cok). Die Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg blickt optimistisch in die Zukunft. Vor einem Jahr ist sie aus den Räumen der Reiherstieggemeinde ins historische Deichhaus am Stübenplatz umgezogen - und hat damit gute Erfahrungen gesammelt. "Wir können die Betriebskosten des Hauses, das wir von der Liegenschaft auf 30 Jahre gepachtet haben, aufbringen", sagt der Vereinsvorsitzende Hildebrand Henatsch, der den Verein 1983 als Selbsthilfegruppe in der Emmausgemeinde mit gegründet hat, nach der einjährigen Testphase. Der 67Jährige war damals Pastor der Gemeinde, die sich inzwischen mit der Paul-Gerhardt-Gemeinde zur Reiherstieg-Gemeinde zusammengeschlossen hat. 
 
Im Verein sind rund 20 Helfer aktiv, die unter anderem die Wilhelmsburger Tafel betreiben. Deren Besucher bezahlen pro Essenausgabe einen Euro. "Damit beteiligen sie sich am Unterhalt des Gebäudes und dem Tafelbus", erklärt Henatsch. Weiter hat der Verein Einnahmen durch Kaffeeangebote, Flohmärkte und den Deichladen. Außerdem stellt er das Deichhaus für kleinere Feiern zur Verfügung. Weiteres Geld kommt durch die Vermietung von Räumen an den Türkischen Elternbund und die Zeitung Wilhelmsburger Inselrundblick in die Kasse sowie über Spenden. 
 
Eine große Hilfe für Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger ist nach Ansicht des Vorsitzenden das Beratungsangebot. Christel Ewert steht mittwochs von 13 bis 15 Uhr für Ratsuchende zur Verfügung und begleitet sie auch zu Behörden. Ewert, deren Stelle bisher über das Arbeitsamt finanziert wurde, wird ab 2003 in derselben Position eine Kirchenkreisstelle erhalten. Die Wilhelmsburger und Kirchdorfer Kirchengemeinden sowie der Verein Susila Dharma - Soziale Dienste sind Träger der Arbeitsloseninitiative. 
 
Wie Henatsch betont, hat der Verein mit dem Projekt Kleiderkammer seine Arbeit einst begonnen. "Die ist so groß geworden, dass wir sie an den Beschäftigungsträger Gate abgegeben haben", sagt er. Heute sei das größte Projekt des Vereins die Wilhelmsburger Tafel. Doch trotz der damit verbundenen Arbeit stecken die Mitglieder immer noch voller Tatendrang. "Wir wollen unser Kulturangebot im kommenden Jahr erweitern", stellt Henatsch die neuesten Pläne vor. 
 
Harburger Anzeigen und Nachrichten 12.11.2002 
 
Stille Helfer aus der zweiten Reihe
Engagiert: Die ehrenamtlichen Fahrer der Wilhelmsburger Tafel 
 
au-WILHELMSBURG. Die Wilhelmsburger Tafel ist ein fester Bestandteil des Stadtteils. Bedürftige können hier einmal pro Woche zu Mittag essen und sich kostenlos mit Lebensmitteln eindecken. Über die soziale Einrichtung wurde schon häufig berichtet. Doch über diejenigen Menschen, die dafür sorgen, dass die Waren immer pünktlich da sind, erfährt man wenig. Wer holt eigentlich die Spenden bei den Lebensmittelgeschäften ab? Das Wochenblatt stellt die Helfer aus der zweiten Reihe vor: die Fahrer. 
 
Donnerstagmorgen, in aller Herrgottsfrühe. Im Gemeindehaus der Reiherstieggemeinde ist schon allerhand los. Christa, Michael, Peter, Heini und Franz sind zur Stelle. Wie jeden Dienstag und Donnerstag helfen die rüstigen Rentner, Lebensmittel zu sortieren, aufzustellen und an die Bedürftigen auszugeben. Doch vorher müssen die Waren erst einmal geholt werden. Normalerweise ist die 37jährige Sylvia die Fahrerin, heute macht es ausnahmsweise Franz (71). 
 
Wer hilft, die Nahrungsmittel einzuladen? Peter (63) bietet sich an, obwohl er mit seiner kaputten Hüfte auch nicht mehr so richtig anpacken kann. Zuerst werden die Wilhelmsburger Bäcker abgeklappert. Das Brot von gestern ist schließlich auch heute noch essbar. Dann starten die zwei ihre große Tour: Buchholz, Tostedt und Harburg stehen auf dem Plan. 
 
Bereits im fünften Jahr engagiert sich Peter bei der Wilhelmsburger Tafel. "Ich brauch' die Tafel, damit ich was um die Ohren hab", erzählt er. Dabei kennt Peter die Tafel auch von der anderen Seite, nicht nur als Helfer. Auch ihm ist es einmal richtig schlecht gegangen: "Es gibt in Hamburg keine Tafel, die ich nicht kenne." Vor gut zehn Jahren hatte er alles hinge schmissen. Job und Wohnung waren ihm nicht mehr wichtig. Seine Frau war gestorben. Neun Jahre hatte der gelernte Autoschlosser auf der Straße gelebt, Obdach- und hoffnungslos. Bis er beim Klauen erwischt und vom Richter zu gemeinnütziger Arbeit verdonnert wurde. Die verrichtete er bei der Wilhelmsburg Tafel. Und ist geblieben. Heute fährt er nur zufällig mit. Das machen sonst andere. Peter hilft normalerweise bei der Ausgabe. Aber trotzdem weiß er, welche Geschäfte angefahren werden und was aussortiert werden muss. Nach rund 100 Kilometern haben Franz und Peter alle Geschäfte abgeklappert und vom Gemüse über Jogurt bin hin zur Wurst so allerlei eingesammelt. Nun geht's zurück nach Wilhelmsburg, wo die anderen schon ungeduldig auf die Nahrungsmittel warten. 
 
Wilhelmsburger Wochenblatt 6.3.2002 
 
Kennenlernen im Deichhaus
Hemmschwellen wurden abgebaut und viele Fragen beantwortet 
 
alu-WILHELMSBURG. Die neuen Mieter des alten Deichhauses im Vogelhüttendeich hatten zum Nachbarschaftstreffen geladen. Die Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg (AIW) und die Wilhelmsburger Tafel wollten sich bei einem gemütlichen Beisammensein ihren Nachbarn vorstellen. Das kam gut an. 
 
Misstrauen abbauen, Neugierde befriedigen, Haus kennen lernen, neue Ideen sammeln - das waren die erklärten Ziel von Pastor Hildebrand Henatsch, als er in der vergangenen Woche die Nachbarn zum Kaffee einlud. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde legten auch gleich alle drauflos. Ob denn alle Menschen, die dienstags und donnerstags Lebensmittel von der Tafel holen, auch bedürftig seien, und wie man die Bedürftigkeit feststellen könne, diese Frage lag zum Beispiel Inge Holert vom gegenüberliegenden Frisiersalon Inge auf dem Herzen. Karin Rohde, Hausmeisterin und Mitorganisatorin der Tafel, gab bereitwillig Auskunft. "Jeder, der hierherkommt, bekommt auch Lebensmittel. Das Einzige, was wir kontrollieren, ist der Wohnort, ob die Menschen auch wirklich aus Wilhelmsburg kommen. Ansonsten lässt sich die Bedürftigkeit nicht feststellen!" 
 
Aber nicht nur Fragen wurden von den Anwesenden gestellt, auch viele Anregungen und Ideen wurden an diesem Abend geboren. So kann es sich Malerin Wiltraud Rasmussen aus Langenhom sehr gut vorstellen, in den Räumlichkeiten des Deichhauses Ausstellungen und Malkurse zu veranstalten. Ebenso ist Margret Mackert von der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg von dem Deichhaus sehr angetan. "Hier könnte man sehr gut Videos zeigen, zum Beispiel von der Revue über Stübens Gesellschaftsäle. Das Deichhaus ist gerade für Ältere Menschen besser gelegen als die Honigfabrik." 
 
Vom Erfolg des Abends sind Inge Holert und Helmut Prondzinski, Besitzer des Fahrradladens, gleichermaßen überzeugt: "Das war sehr erfolgreich. So konnten doch einige Hemmschwellen abgebaut werden." 
 
Wilhelmsburger Wochenblatt 6.2.2002 
 
Wasserratte aus dem Zillertal
Vorgestellt: Karin Rohde, Hausmeisterin im Deichhaus 
 
alu-WILHELMSBURG. Als man ihr vor anderthalb Jahren sagte, sie möge doch nach Wilhelmsburg ziehen, hat sie .nur den Kopf geschüttelt. In Wilhelmsburg wohnen? Niemals! Doch ihre Meinung über den Stadtteil hat Karin Rohde komplett geändert. Seit September arbeitet die 41-Jährige jetzt als Hausmeisterin im alten Deichhaus - als "Mädchen für alles". 
 
Glühbirnen auswechseln, den Tafelbus in Schuss halten oder für die Sauberkeit im Deichhaus sorgen - das sind nur einige der Aufgaben, die Karin Rohde zu bewältigen hat. Und ihr macht die Arbeit viel Spaß. 
 
Schon am Akzent bemerkt man, das Karin Rohde nicht aus Norddeutschland stammt. Aus dem fernen Zillertal in Österreich hat es sie nach Hamburg verschlagen. Das war vor 22 Jahren. Seit dem ist die Hansestadt ihre Heimat. Und seit anderthalb Jahren wohnt sie nun doch in Wilhelmsburg. "Der Stadtteil ist besser als sein Ruf. Hier ist alles schön grün. Im Sommer liebe ich es, am Elbstrand zu sitzen," erzählt sie. Ebenso begeistert ist sie vom Projekt Deichhaus und den Menschen, mit denen sie zusammenarbeitet. "Das Organisieren ist mir schon immer leicht gefallen. Ich hätte gedacht, dass es schwieriger wäre, mit den Menschen hier zurechtzukommen. Aber die haben mich von Anfang an sehr unterstützt!" Mit 25 ehrenamtlichen Helfern hat Karin Rohde es tagtäglich zu tun, sie organisiert die Tafel und sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Und ein offenes Ohr für die Helfer hat sie auch immer. 
 
Über eine Anzeige im elbe Wochenblatt kam die ehemalige Hausfrau und Mutter an den Hausmeisterjob. Und ist glücklich, dass es geklappt hat. "Der Job ist interessant, abwechslungsreich und sehr lehrreich. Man lernt den Umgang mit Menschen", erzählt sie und hofft, dass der Vertrag nach Ablauf eines Jahres verlängert wird. 
 
Wenn sie mal gerade nicht im Deichhaus am Werkeln ist; liebt die 41Jährige das Saunen, Schwimmen - kurzum, alles, was mit Wasser zu tun hat:Und ein gutes Buch nimmt sie auch liebend gern in die Hand, wenn es die Zeit zulässt. Ihr größter Traum: "Ich möchte gerne mit dem Wohnmobil durch die Welt reisen!"

Wilhelmsburger Wochenblatt 30.1.2002

Schlangestehen in der Kälte
Wilhelmsburger Tafel: Bedürftige lassen sich nicht unterkriegen 

sd - WILHELMSBURG. Hinter dem alten Deichhaus am Vogelhüttendeich stehen knapp 70 Menschen in einer langen Schlange. Trotz der klirrenden Kälte warten sie geduldig, bis sie an der Reihe sind. Wie an jedem Dienstag verteilt die Wilhelmsburger Tafel Lebensmittel an Bedürftige. 
 
Die Wilhelmsburgerin Karin Mächen ist eine von ihnen. Endlich ist auch sie dran. Gemeinsam mit der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Britta Bucuka (29) geht sie durch das kleine Lager und erhält ihre Ration für die nächsten Tage. Brot, Konserven, Obst und Gemüse verschwinden in den mitgebrachten Plastiktüten. Ganz umsonst ist der Einkauf allerdings auch hier nicht, pro rotgefrorener Nase wandert ein Euro in einen Spartopf, von dem die Benzinkosten für den Deichhaus-Bus, mit dem die Lebensmittel bei den Supermärkten. abgeholt werden, finanziert wird.

Draußen in der Kälte stehen zwei weitere Ehrenamtliche, Iris Overdijkingk und Henry Gerber. Beide reden freundlich mit den Bedürftigen, um ihnen die Wartezeit zu verkürzen. "Hey Iris, beim nächsten Mal kannst du ruhig ein Radio mitbringen, dann können wir uns warm tanzen", lacht eine Frau in der Schlange. Für ein wenig vorweihnachtliche Stimmung sorgt das rote Zipfelmützchen, das sich Iris Overdijkink heute aufgesetzt hat. Wenn sie einen Wunsch freihätte, was würde sie sich vom Weihnachtsmann wünschen? "Manchmal wünschte ich, wir hätten mehr Lebensmittel, um sie an die Menschen zu verteilen. Schauen Sie einmal abends in einen Müllcontainer hinter einem Supermarkt, die werfen weg, was uns hier fehlt", ärgert sie sich.

Die Wartenden versuchen, sich nicht vom Schicksal unterkriegen zu lassen. "Irgendwie geht es immer weiter", spricht eine Frau aus, was viele hoffen.

Ein Lichtblick für die Besucher und Mitarbeiter der Wilhelmsburger Tafel war dann die Weihnachtsfeier im Gemeindehaus. An zwei Tagen wurden 160 Portionen Grünkohl, gestiftet vom Krankenhaus Groß Sand, an die Bedürftigen verteilt. "Außerdem bekommt jeder ein gespendetes Weihnachtspäckchen", freut sich die Leiterin des Deichhauses, Karin Rode. 
Wilhelmsburger Wochenblatt 18.12.2002

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