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"Für Menschen mit kleinem Geldbeutel"

"Sammelsurium"-Kaufhaus unter neuer Leitung

Im Mai hat die Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg (AiW) im Einkaufszentrum am S-Bahnhof das "Sammelsurium" eröffnet. Hier können bedürftige Menschen gebrauchte Haushaltswaren, Möbel, Fahrräder und Kleidung für wenig Geld kaufen. Anfang September hat die Bürokauffrau Stefanie Thoms die Leitung des Kaufhauses übernommen.

Ihre Vorgängerin Iris Groth wollte wieder mehr Zeit für das AiW-Projekt "Parkpflege" haben, das sie seit Jahren betreut hatte, und zog sich darum aus der Geschäftsleitung zurück. "Durch einen glücklichen Zufall habe ich von dem freien Job gehört, mich beworben und wurde genommen", berichtet Stefanie Thoms, die sich auf die neue Herausforderung freut.

"Natürlich hab ich auch die Hoffnung, dass wir einige unserer 18 Aktiv-Jobber wieder in Arbeit bringen können", sagt die 38-jährige, allein erziehende Mutter mit der flotten Kurzhaarfrisur, die mit ihrer Tochter in Sprötze in der Nähe von Buchholz wohnt.

Bei ihrem Stellvertreter Peter Bandow (49) hat dieses Vorhaben bereits geklappt. Als ungelernter Arbeiter schlug er sich jahrelang mit Jobs im Hafen durch und wurde schließlich arbeitslos. Auf der Couch sitzen und auf ein Wunder warten wollte er nicht und packte bei verschiedenen AiW-Projekten tatkräftig mit an. Aufgrund seiner guten und zuverlässigen Leistungen bekam er jetzt einen Vollzeitvertrag im "Sammelsurium". "Endlich traut mir mal jemand etwas zu und gibt mir eine Chance!", freut sich der Wilhelmsburger.

Erste Amtshandlung des neuen Teams: Ab 20. Oktober wird das Sammelsurium-Angebot um eine PC-Werkstatt erweitert. Zwischen 10 und 16 Uhr stehen dann Computer-Experten mit Rat und Tat und einem Reparaturservice bereit.

"Wir sind nach wie vor auf Sachspenden angewiesen", erinnert Stefanie Thoms. Wer gebrauchsfähige Möbel, Elektroartikel oder Hausrat herumstehen hat, sollte sich melden. "Auf Wunsch holen wir die Sachen auch ab", sagt Peter Bandow. Übrigens: Ganz dringend werden türkischsprachige Bücher gesucht!

Hamburger Wochenblatt vom 15.10.2008

 


 

Wilhelmsburg: Beispielhafte Nächstenliebe

Zweiter Transporter für die Tafel

Wilhelmsburg. Mittags am Vogelhüttendeich in Wilhelmsburg: Alte, Frauen mit Kleinkindern, Männer und Jugendliche drängen sich vor dem Deichhaus, um sich kostenlos mit Lebensmitteln einzudecken. Täglich werden es mehr. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der Bedürftigen, die für die Ernährung ihrer Familien die Unterstützung der Wilhelmsburger Tafel brauchen, von 800 auf 1000 erhöht.

Inzwischen hat das Projekt der Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg drei weitere Zweigstellen - im Gemeindehaus St. Raphael an der Jungnickelstraße, am Gemeindehaus Kirchdorf an der Kirchdorfer Straße und im Gemeindehaus Veddel an der Wilhelmsburger Straße.

Um die Gespendeten Lebensmittel transportieren zu können, hat die Wilhelmsburger Tafel nun einen zweiten Bus. Die Daimler AG sponsorte die Hälfte der Kosten für den funkelnagelneuen Mercedes Vito.

Der Rest der Summe wurde von Hamburger Lions Clubs, dem Hamburger Spendenparlament, der Stiftung Life und der Norddeutschen Affinerie gespendet. Zum Dank hatte Hildebrand Henatsch, Vorsitzender des Vereins Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg, Vertreter der großzügigen Firmen und Organisationen eingeladen: Tobias Schmid, Marketingleiter von Mercedes, Hans Röhlig von den Lions Hamburg-Süderelbe und Klaus Bucksch, Präsidiumsmitglied des Hamburger Spendenparlamaents.

Heinz Beeken, der kommisarische Leiter des örtlichen Sozialamts, war gekommen, um sich für das bürgerliche Engagement zu bedanken. Denn die Tafel stillt nicht nur Hunger, Sie holt auch Menschen aus der Isolation und gibt ihnen Arbeit: "Es ist wunderbar zu sehen, wie Leute aufblühen, wenn sie in Gesellschaft kommen und wieder eine sinnvolle Aufgabe haben", sagt Hildebrand Henatsch, Pastor im Ruhestand. Zur Zeit arbeiten bei der Wilhelmsburger Tafel mehr als 50 Personen, die meisten ehrenamtlich. Zwei angestellte Mitarbeiter des Vereins leiten das Projekt. 14 Ein-Euro-Kräfte sorgen dafür, dass die gespendeten Lebensmittel einer Bäckerei und mehrerer Supermärkte rechtzeitig und ausreichend an den Verteilstellen ankommen.

Der erste Bus, den die Wilhelmsburger Tafel im Januar 2004 erhielt, hat bis heute mehr als 100 000 Kilimeter beim Lebensmittel-Transport zurückgelegt. Infos im Deichhaus, Vogelhüttendeich 55, Tel: 040/75 66 59 34

Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 12.04.2008

 


 

"Sammelsurium": Das etwas andere Kaufhaus
 

Maria Wojcik war begeistert: "Solch ein Geschäft hat uns in Wilhelmsburg gefehlt. Wenn man kein Auto hat, muss man weit fahren, obwohl man manchmal nur Kleinigkeiten braucht. Außerdem kann ich hier Dinge abgeben, die andere Menschen noch gut gebrauchen können." Sie war eine der ersten Besucher des neuen Kaufhauses "Sammelsurium" am Berta-Kröger-Platz in Wilhelmsburg.

Ruth Rehn, die auch zu den ersten Kunden gehörte, hatte ein Hemd für einen Euro erworben: "Ich suche immer günstige Sachen, die ich meinen Bekannten im Königsberger Gebiet schicken kann." So wurde mithilfe des "Sammelsuriums" wirklich Gutes getan.

Dieses etwas andere Geschäft wurde gestern offiziell durch Hildebrand Henatsch eröffnet. Henatsch war bis zum Ruhestand Pastor an der Wilhelmsburger Emmauskirche und betätigt sich als Vorsitzender der Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg (AIW). Das Konzept: Das Kaufhaus "Sammelsurium" bietet auf 420 Quadratmetern Möbel, Haushaltswaren, Fahrräder, Computer und Bücher aus zweiter Hand. Diese Waren fanden am Freitag großen Anklang. Ein Kaufhaus-Mitarbeiter spielte zur Freude der Kunden auf einer Orgel, die zum Verkauf stand. Ein besonderes Schnäppchen machte Mathias Lintel. Er erwarb einen Satellitenatlas für drei Euro: Der hat bestimmt mal das zehnfache gekostet, ist er sich sicher.

Das gemeinnützige Unternehmen "Passage", das das Projekt unterstützt, holt auch Gebrauchsgegenstände aus Haushalten ab. Die Fahrräder, die zum Verkauf stehen, wurden vorher von der eigenen Fahrradwerkstatt auf Vordermann gebracht. Die Möbel sind durch die erfahrenen Hände der Möbelhilfe gegangen. Diese Werkstätten sind aus Selbsthilfegruppen der Emmauskirche entstanden. Dort traf sich vor 25 Jahren eine erste Gruppe Erwerbsloser zum Erfahrungsaustausch. "Reden über Arbeitslosigkeit reichte uns nicht. Die Menschen wollten etwas Sinnvolles tun", so Henatsch. Ergänzt wird das Kaufhaus durch eine Abteilung der Stiftung Berufliche Bildung (SBB). Sie beschäftiget in Hamburg etwa 400 Erwerbslose. Die Menschen arbeiten unter anderem in Holzwerkstätten. Das dort hergestellte Holzspielzeug wird anschließend zum großen Teil an Kindergärten in Chile geschickt. In ihrer Schneiderei "Change it" arbeiten die Beschäftigten alte Kleidungsstücke um. Diese Erzeugnisse gehören ebenfalls zum Sortiment des Kaufhauses. Das "Sammelsurium" möchte nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Wilhelmsburger Läden treten. Daher wird die AIW einen Pass einführen, der nur an Bedürftige ausgegeben wird. Das Kaufhaus "Sammelsurium" hat dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Für Juni planen die Initiatoren von "Sammelsurium"die Erweiterung des Angebotes um einen Eine-Welt-Laden.

Harburger Anzeigen und Nachrichten Online vom 10.5.2008

 


 


Dieses Kaufhaus hilft den Schwachen


Im Wilhelmsburger Einkaufszentrum (WEZ) können jetzt Leute mit schmalem Geldbeutel aufbereitete Gebrauchtwaren kaufen.

Gebrauchte Fahrräder, Computer und Küchengeräte gibt es hier zu kaufen, Spielzeug, Kleidung, Porzellan, Besteck oder auch Möbel - vom schlichten, gepolsterten Sofa bis zur hochglanzpolierten Vitrine. Das im Wilhelmsburger Einkaufszentrum, Krieterstaße 18, neu eröffnete Kaufhaus "Sammelsurium" wendet sich insbesondere an Kundschaft mit schmalem Geldbeutel.

Der Verein "Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg" (AIW), die gemeinnützige Passage GmbH und die Stiftung Berufliche Bildung (SBB) sind die Betreiber dieses ungewöhnlichen Kaufhauses und haben mit ihren aufbereiteten Gebrauchtwaren oder auch selbst angefertigten Produkten bislang eher ein Hinterhofdasein geführt. Jetzt kommen sie den Kunden mit dem Laden im Einkaufszentrum entgegen. Hildebrand Henatsch, Pastor im Ruhestand und erster Vorsitzender der AIW: "Wir sind gemeinnützig, dürfen keine Gewinne erzielen und auch nicht den ortsansässigen Geschäftsleuten Konkurrenz machen. Das alles ist bei der Preisgestaltung zu berücksichtigen. Andererseits haben wir auch nichts zu verschenken."

Fahrräder oder Computer gibt es beispielsweise ab 20 Euro zu kaufen, Sofas ab 50 Euro. Allerdings: Für einen edlen Vitrinenschrank und eine passende Kommode sind sogar 800 Euro - und nicht weniger - locker zu machen. Henatsch: "Damit keiner auf die Idee kommt, die Ware weiterzuverkaufen."

Hausbesitzer SAGA GWG verlangt von den "Sammelsurium"-Betreibern nur eine geringe Miete. Im laufenden Sanierungsverfahren geht es um Modernisierung, Abriss und Neubau. Die Kaufhausräume werden in etwa zwei Jahren abgerissen.

Hamburger Abendblatt vom 10.05.2008

 


 

Vom Ein-Euro-Job zur Festanstellung

Jeden Tag Zukunftssorgen. Seit sieben Jahren. So lange ist Nuray Basar (31) bereits arbeitslos. Die 347 Euro Arbeitslosengeld reichen für sie und ihren sechsjährigen Sohn Berk gerade zum Leben. Seit vier Monaten hat die alleinerziehende Mutter etwas mehr in der Geldbörse. Sie arbeitet als Ein-Euro-Jobberin - und bekommt den Arbeitsmarkt-Aufschwung vielleicht bald persönlich zu spüren (siehe Text rechts). Basar ist eine von 31 Langzeitarbeitslosen, die in der Kantine der Grund- und Hauptschule Slomanstieg auf der Veddel kocht. Nach Ende der zehnmonatigen Maßnahme sollen sie einen festen Arbeitsplatz in der Schulküche bekommen. Das fordert der Betreiber Passage, eine gemeinnützige Gesellschaft unter dem Dach des Diakonischen Werkes.

"Sozialversicherungspflichtige Arbeit kann leicht noch besser gefördert werden", sagt Diakonie-Sprecherin Katharina Weyandt. Ihr Ansatz: "Die Kosten für einen Langzeitarbeitslosen belaufen sich nicht nur auf seinen Zuverdienst als Ein-Euro-Jobber. Wenn Geld gebündelt wird, können reguläre Arbeitsplätze entstehen." Weyandt rechnet beispielhaft vor, was ein Ein-Euro-Jobber pro Monat kostet: "Zählt man ALG-II-Regelsatz, Unterkunft, Krankenkasse, Bearbeitungs- und Verwaltungspauschale der Arge team.arbeit.hamburg zusammen, kommt man auf rund 1476 Euro." Ein Festangestellter sei nur geringfügig teurer. Weyandt: "Die Kosten für eine Vollzeitstelle in unserer Kantine liegen mit 1584 Euro nur 108 Euro höher."

Landespastorin Annegrethe Stoltenberg hält die Idee für eine Lösung mit großer Wirkung: "Damit erhalten 31 Menschen eine neue berufliche Perspektive." Nicht nur diese würden von der Umstellung profitieren. Mehr als 30 Prozent der etwa 5000 Einwohner auf der Veddel sind ALG- II-Empfänger. "Neben den Schülern kommen auch viele andere Menschen zu uns, die sich gesundes Essen sonst nicht leisten könnten", sagt Kantinenleiterin Irene Meisner. Eine höhere Motivation unter den Mitarbeitern sowie eine effektivere Arbeitsweise, weil lange Einarbeitungszeiten wegfallen, könne sich nur positiv auf das ohnehin beliebte Stadtteil-Angebot auswirken. Für Nuray Basar ginge mit der Festanstellung ein großer Traum in Erfüllung. "Die Zukunft ließe sich ganz anders planen", sagt sie. Dann könnte sie ihrem Sohn seinen Herzenswunsch erfüllen: Das erste Mal in Urlaub fahren.

Katharina Putzer
Hamburger Abendblatt - 1.2. 2008

 


 

Eine Sanierung ist am Ziel angekommen


"Wilhelmsburg S 4" ist die offizielle Bezeichnung für das Quartier. Durch Sanierung und Neubau entstanden fast 100 zusätzliche Wohnungen.

Zehn Jahre lang waren der südliche Vogelhüttendeich, die Mokrystraße und Teile von Industriestraße und Fährstraße eine reine Baustelle. Doch jetzt ist Schluss damit. Die im Februar 1997 vom Hamburger Senat beschlossene Sanierung des knapp 2500 Einwohner zählenden Viertels, des sogenannten Sanierungsgebiets Wilhelmsburg S4, ist am Ziel angekommen. Das für die Koordinierung der Sanierung eingesetzte Büro "Architektur, Stadterneuerung, Kommunale Planung" (ASK) und der 38 Einwohner und Interessenvertreter zählende Sanierungsbeirat hatten kürzlich ihr Abschlusstreffen, bei dem Bilanz gezogen wurde. ...

Wilhelmsburgs Stadtteil-Kulturzentrum Honigfabrik an der Industriestraße befindet sich noch im Umbau, das von der Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg genutzte Deichhaus am Vogelhüttendeich hat sich nach einer Grundinstandsetzung zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. ...

Jochen Gibb - Wilhelmsburg
Auszug aus: Harburger Rundschau (Hamburger Abendblatt) - 11.01.2008


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